Wohnungsknappheit wird existenzbedrohend
Sie statteten Quartieren einen Besuch ab, füllten unzählige Online-Formulare aus und versandten Dutzende Bewerbungsschreiben. Sie schlossen auf den einschlägigen Suchportalen kostspielige Abonnemente ab, um die Chancen auf ein Wohnobjekt zu erhöhen. «Hier wird aus der Not der Menschen Profit geschlagen. Ich finde das unfair und unzulässig», fügt Margarita Boppart hinzu. So hetzten sie von Quartier zu Quartier – erfolglos. Absagen waren die Regel. «Nur noch Maschinen entscheiden, ob ich für eine Wohnung in der Stadt Zürich anspruchsberechtigt bin», sagt Susanne Kneisl. Selbst für eine Alterswohnung erhielten sie keine Zusage, da ihr Vermögen gemäss Vorschriften zu hoch war.
Die Verdrängung aus einer bezahlbaren Wohnung und die Wohnungsknappheit im städtischen Raum sind kein Randthema mehr. Sie treffen die Mitte der Gesellschaft. Wohnsicherheit wird zum Luxusgut, und die wachsende Existenzangst frisst sich in die Seele. Auch Susanne Kneisl und Margarita Boppart litten darunter. Sie fühlten sich ausgeschlossen, abgewertet, überflüssig, unerwünscht. Zur seelischen Not kamen körperliche Beschwerden hinzu. Während sich Susanne Kneisl einer Gallenblasenoperation unterzog, brachte Margarita Boppart zwei Eingriffe an den Augen hinter sich. «Es gab Tage, da legten wir uns mitten am Nachmittag schlafen, einfach um der Welt zu entfliehen», sagt Margarita Boppart.
Wink des Schicksals
Am Ende ihrer Kräfte wird der Sunnige Hof zum rettenden Anker. Eine Mitarbeiterin der Pro Senectute informierte sie über eine freie 3-Zimmer-Wohnung in der Siedlung Else Züblin Ost in Zürich-Albisrieden. Die Wohnung gefiel ihnen auf Anhieb. Öffentliche Verkehrsmittel in Gehdistanz, das Naherholungsgebiet vor der Tür – und dann war da noch die Ahnenforschung zur Namensgeberin Else Züblin. Die Zürcherin, die im 2. Weltkrieg eine Soldatenstube gründete und gleichzeitig eine Papierhandlung führte, berührte das Rentnerinnenpaar. Spätestens da war für die beiden klar: Wir gehören nach Albisrieden in die Siedlung Else Züblin.
Auch die Siedlung und der essbare Gemeinschaftsgarten begeisterten sie. «Wir freuen uns darauf, im Sommer mit einem Glas Prosecco auf unsere neue Heimat anzustossen», sagt Susanne Kneisl. Zudem spürten sie beim Bewerbungsgespräch mit der Vermietungsabteilung die Menschlichkeit und Wertschätzung. «Es war eine echte Begegnung auf Augenhöhe», sagt Margarita Boppart. «Der Sunnige Hof war für uns der Edelstein unter vielen Kieselsteinen», fügt Susanne Kneisl hinzu.
Verzweiflung in Dankbarkeit verwandelt
Jetzt fühlen sie sich im Sunnige Hof angekommen. Sie haben erlebt, was Wohnsicherheit wirklich bedeutet. Sie symbolisiert mehr als nur Wände und eine Tür. Sie steht für Würde, Zugehörigkeit und Geborgenheit. «Wohnsicherheit ist Heimat», sagt Susanne Kneisl. Sie haben auch erfahren, was Solidarität bewirken kann. «Der Sunnige Hof war unser Rettungsanker», sagen beide. Hier möchten sie bleiben – bis die letzte Reise des Lebens beginnt.